28.11.2015

Zeitachsen


Zeitachsen
Äquilibristik und Realität





Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 27. Jg., Heft 1-2, 2015


Aus dem Inhalt:



  • Gabriel Andreescu: Institutionalisierter Misserfolg. Der Beitrag der Securitate-Akten-Behörde und des Verfassungsgerichts zur Aufarbeitung in Rumänien (II)
  • William Totok: Mit tückischer Durchtriebenheit. Durchsetzung der offiziellen Geschichts- und Kulturpolitik im national-kommunistischen Rumänien mit nachrichtendienstlicher Unterstützung (III)
  • Klaus Popa: Berichte von Pfarrern der evangelischen Landeskirche A.B. in Rumänien aus Transnistrien und aus dem Generalgouvernement (1942-1944) (I)
  • Karl-Heinz Gräfe: Ukraine – Nationalität, Nation und Staatsbildung (I)
  • Werner Kremm: Periamportbewusstsein
  • Johann Lippet: Verortung (Gedichte)
  • Christopher Nehring: Von Dossiers, Kommissionen und hochrangigen Agenten. Das Erbe der bulgarischen Staatssicherheit 1989-2015
  • Björn Opfer-Klinger: Zwischen EU, Oligarchen und desillusionierten Bürgern. Bulgarien in der politischen Dauerkrise 2013-2015
  • Waldemar Schmidt: Die deutsche Minderheit in Kasachstan im 19. - 20. Jahrhundert
  • Johann Böhm: Die Gleichschaltung der deutschen Presse in Rumänien durch Volksgruppenführer Andreas Schmidt ab September 1940-1944
  • Heinrich Bienmüller: Arm und reich ...
  • Georg Herbstritt: „Aus den Giftschränken des Kommunismus“. Ein Tagungsbericht


Bestellungen sind an den AGK-Verlag, Franzstr. 27, D-49413 Dinklage, Tel. 04443/91212, Fax: 04443/91213 oder an jede Buchhandlung zu richten.

"Die HJS ist bekannt geworden, schwierigen Themen, wie der Nazi-Verstrickung gewisser Amtsträger aus den Führungskreisen der ehemaligen Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland oder die Mitarbeit mit der kommunistischen „Securitate“ nicht aus dem Wege zu gehen. Durch eine gründliche und unermüdliche Forschungsarbeit in verschiedenen Archiven (nicht nur aus Deutschland und Rumänien) konnten Dokumente vorgelegt werden, die Licht bringen in Bereichen, wo es von manchen Seiten eher vorgezogen wird, nur oberflächliche oder allgemeine Diskussionen zu führen. Dass es dabei auch zu Enthüllungen kommt, die für viele störend und unangenehm sein können, macht die HJS nicht gerade beliebt, dafür aber umso interessanter." - ADZ, 20. 12. 2015  

Leseproben aus den einzelnen Beiträgen



Textbeispiel 1


Klaus Popa: Berichte von Pfarrern der evangelischen Landeskirche A.B. in Rumänien aus Transnistrien und aus dem Generalgouvernement 1942-1944 (I)



[...] Die hier vorgelegten Berichte mancher in die beiden Territorien zum sogenannten „Einsatz“ gesandten Pfarrer sind in vielerlei Hinsicht aufschlussreich. Sie belegen, wie die einzelnen Pfarrer es verstanden, die ihnen anvertraute „Mission“ zu erfüllen, die sogenannten „Volksdeutschen“ religiös zu betreuen. Zwar werden nur in einzelnen Fällen sogenannte „völkische Vorträge“ erwähnt, welche die Pfarrer halten mussten, doch alle Pfarrer, welche von Bischof Staedel nach Transnistrien und ins „Generalgouvernement“ abgeordnet wurden, zählten zu dem Kreis der von Staedel persönlich ins Leben gerufenen „Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“, als Ableger des gleichnamigen „Instituts“ in Jena. 
Die „Berichte“ belegen, dass die Pfarrer ihre Tätigkeit als „Aufbauarbeit“ begriffen. 
[...] Es ist bemerkenswert, dass die meisten der involvierten Pfarrer sehr gut mit den sogenannten „Bereichskommandanten“ der Einsatzgruppe „R“(ussland) der SS zusammenarbeiteten und es nur in den seltensten Fällen Schwierigkeiten gab. Die fanatische Überzeugung des Bischofs und seiner Pfarrer, die sich in Gebieten einsetzen ließen, in denen die Vertreibungs-, Vernichtungs- und Umsiedlungspolitik des NS-Staates und des faschistischen Rumäniens furchtbare Realität war, ist auch daran festzumachen, dass dieser Personenkreis sich bedenkenlos der ihr zugedachten Aufgabe, eroberte Gebiete einzudeutschen, hingab,  trotz der eindeutig mit Stalingrad eingetretenen Kriegswende.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der gedruckten Fassung der Halbjahresschrift.


Textbeispiel 2

William Totok: Mit tückischer Durchtriebenheit. Durchsetzung der offiziellen Geschichts- und Kulturpolitik im national-kommunistischen Rumänien mit nachrichtendienstlicher Unterstützung (III)


[...]

Zusammen mit dem Geschäftsmann Josef Henz wurde Hans Weresch Miteigentümer des enteigneten (arisierten) Temeswarer Restaurants „Lloyd”, das einen neuen Namen – Kaffee und Gaststätte Wien – erhielt (das ganze Dokument - hier unter dem Namen: Der Nationalsozialismus bei den Banater Schwaben in Archivdokumenten 1940-1944).


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[„Zu viel Sahne”, in: Banater Deutsche Zeitung, 21. Februar 1941, S. 5.]

Das rumänisierte (arisierte) Temeswarer Lokal Café Wien (früher Lloyd) wird kritisiert, weil es aus Habgier nicht den Arierparagraphen respektiert:

[Uns erscheint die Sache noch unverständlicher] „zumal wir der bescheidenen Ansicht sind, daß unsere Frauenorganisationen doch einen anderen Zweck haben, als Auftreibverdienste zur Hebung des Geschäftsganges eines Kaffeehauses zu leisten, in dem übrigens nachmittags die deutschen Gäste recht oft die ärgerliche Wahrnehmung machen müssen, daß sie noch immer — 6 Jahre nach der Erbringung der  Nürnberger Gesetze — gezwungen sind, mit mauschelnden Juden  und leichtbeschürzten Dämchen zweifelhaften rassischen Ursprungs dieselbe Luft zu atmen. Nur deshalb, weil man sich scheut, das bewußte Täfelchen mit dem Arierhinweis anzubringen. Auch deutsche Unternehmungen haben Pflichten, und zwar in allererster Linie die Pflicht, sich in die allgemeine Gesinnungsauffassung unseres Volkes einzuordnene, auch dann, wenn die Jahresschlußbilanz dadurch etwas leiden sollte.”








[Dr. Hans Reb, „Richtigstellung”, in: Banater Deutsche Zeitung, 23. Februar 1941, S. 4]


Rechtsanwalt Hans Reb versucht in einem Schreiben an die Zeitung, die in dem nicht unterzeichneten Artikel geäußerten Vorwürfe zu entkräften. Reb wurde 1959 verhaftet und 1961 zusammen mit weiteren Angeklagten, darunter auch Hans Weresch, dem früheren Mitinhaber des arisierten Restaurant-Cafés Wien, in einem stalinistischen Prozess verurteilt. 

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[19. Juli 1943. Eid auf Hitler seitens der Amtsträger der Deutschen Volksgruppe aus Rumänien. Eidesstaatliche Verpflichtung]



[19. iuli 1943. Jurămînt de fidelitate faţă de Hitler, depus de activişti ai Grupului Etnic German]


ACNSAS, I 258346, vol. 1, Bl. 289

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[Tabelle mit „verdächtigen“ deutschen Intellektuellen aus Temeswar, Denunziation, undatiert, entstanden wahrscheinlich Ende der 1950er Jahre.]

[Tabel cu intelectuali germani „suspecţi“ din Timişoara, denunţaţi, document nedatat, redactat probabil la sfîrşitul anilor 1950]



(Archiv / arhiva: HJS) 




[Die  oben veröffentlichten Dokumente sind nicht in der HJS abgedruckt.]


(Hier die Überschriften der Unterkapitel)

Adam Müller-Guttenbrunn als „völkisches“ Kampfinstrument der Securitate

Planmäßige Verästelung der Beeinflussungstaktiken

Feindbild: Richard Wurmbrand (1909-2001)

Legenden, Gefängnisfolklore und Zerrbilder

Fazit

Anhang

Vollständiger Text in der Printausgabe der HJS.

Textbeispiel 3

Gabriel Andreescu: Über den institutionalisierten Misserfolg der Aufarbeitung. Der Beitrag der Securitate-Akten-Behörde CNSAS und des rumänischen Verfassungsgerichts (II)




[...] Das Drehbuch und die Regie funktionierten: das Kollegium wurde als ein gespaltenes Entscheidungsgremium wahrgenommen. Einerseits die Gruppe der Drei , die den ehrlichen und kompetenten Teil verkörperten, und andererseits die Kollaborateure mit ihrer politischen Macht, die am Misserfolg der Institution schuld waren. Doch trugen Mircea Dinescu, Andrei Pleşu und Horia-Roman Patapievici genauso wie ihre Kollegen dazu bei, die Aktivitäten des CNSAS zu untergraben. [...]

Übersetzung aus dem Rumänischen: Erzsébet Lajos, Andrea Zsigmond, Ágnes Simon




Textbeispiel 4

Karl-Heinz Gräfe: Ukraine – Nationalität, Nation und Staatsbildung (I)


[...] 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es weder eine eigene Staatlichkeit noch eine einheitliche Nationalbewegung der Ukrainer. In Gestalt der 1890 gegründeten Ruthenisch-Ukrainischen Radikalen Partei R-URP (Rus’ka-Ukrains‘ka Radykal’na Partija) entstand zuerst im österreichischen Galizien und in der Bukowina eine eigenständige nationale westukrainische Bewegung, die auf die Errichtung eines ukrainischen Staatswesens (Republik) zielte. Aus ihr gingen 1899 zwei neue Parteien hervor: Die Ruthenisch-Ukrainische Sozialdemokratische Partei R-USDP (Rus’ka-Ukrains’ka Social’no-Demokratyčna Partija) und die Ukrainische Nationaldemokratische Partei UNDP (Ukrains’ka Nacjonal’no-Demokratyčna Partija). Im russischen Gouvernement Charkov entstand erst 1900 die Revolutionäre Ukrainische Partei RUP (Revoljucjona Ukrains‘ka Partija), aus der 1906 die Ukrainische Sozialdemokratische Arbeiterpartei USDRP (Ukrains‘ka Social’no-Demokratyčna Robotnica Partija) hervorging. Erst im Verlauf des Ersten Weltkrieges 1914-1818, als die Ukrainer in den Uniformen des Habsburger Kaiserreiches und der Zarenmonarchie auch gegeneinander kämpften, sowie während der Revolutionen in Russland und Österreich-Ungarn und dem gleichzeitigen Bürger- und Interventionskrieg (1917/18-1920) kam es zu meist kurzfristigen regionalen Versuchen ukrainischer Staatsbildung unterschiedlicher Lebensdauer im gesamten ukrainischen Siedlungsgebiet. Sie bekämpften sich jedoch zumeist gegenseitig und fanden nicht zu einer einheitlichen ukrainischen Staatlichkeit. Sie wurden entweder von Sowjetrussland oder Deutschland, Österreich-Ungarn, seit 1918/19 vor allem von Polen, Großbritannien, Frankreich und den USA wesentlich beeinflusst, nicht nur politisch, sondern auch militärisch:

Ukrainische Volksrepublik UNR (Ukrains’ka Narodna Respublika)/Großregion Ukraine,  Ostgalizien, Bukowina: November 1917 - April 1918 und Dezember 1918 - Oktober 1920 (Direktorium).

Ukrainischer Staat UD (Ukrain‘ska Deržava)/Großregionen Ukraine, teilweise Neurussland: Marionettenregime unter militärischer Besetzung des kaiserlichen Deutschlands: April - Dezember 1918.

Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik URSR (Ukrains‘ka Radjans‘ka Sozialistična Respublika) /Großregionen Ukraine und Neurussland ohne Krim und Dongebiet: Dezember 1917 - März 1918, November 1918 - Dezember 1922.

Westukrainische Volksrepublik ZUNR (Zachodno-Ukrains’ka Narodna Respublika)/Ostga-lizien, Bukowina, teilweise Karpatenukraine: November 1918 ‒ Januar 1919 und Januar – November 1919 als Westliches Gebiet der UNR ZOUNR (Zachidnja Oblast‘ UNR).

Russisch-Ukraine RU (Rus’ka-Kraina)/ukrainisch besiedelte ungarische Komitate Ung, Bereg Ugosca und Máramaros der Karpatenukraine: Autonomes Gebiet der Räterepublik Ungarn November 1918 – Mai 1919, danach der Slowakischen Räterepublik Juni - Juli 1919.
[...] 

Vollständiger Text in der Printausgabe unserer Zeitschrift.

Textbeispiel 5

Christopher Nehring: Von Dossiers, Kommissionen und hochrangigen Agenten. Das Erbe der bulgarischen Staatssicherheit 1989-2015


[...]
Dieser spezielle Fall zeigt, dass Vernichtungen in dem weit verzweigten Archiv der Staatssicherheit keineswegs erst nach dem Sturz Zhivkovs oder als Reaktion auf den Sturm der Ostberliner Stasi-Zentrale vom 15. Januar 1990 einsetzten. In einem weiteren Sonderarchiv, dem der Auslandsaufklärung (= Erste Hauptverwaltung DS - Pyrvo glavno upravlenie), wurde bereits ab Dezember 1989 mit außerplanmäßigen Dokumentenvernichtungen begonnen.  Im Mittelpunkt hierbei standen vor allem die Materialien über die so genannte „feindliche Emigration“. Wie der Fall des 1978 im Londoner Exil ermordeten Schriftstellers Georgi Markov beweist, wurden diese Akten entweder, wie bei Markov, komplett zerstört oder zumindest von Beweisen über geplante Ermordungen oder Entführungen befreit.  Wie sehr diese Beispiele für Archivsäuberungen nicht nur von dem Versuch, die eigene Haut zu retten, sondern auch von dem Chaos und der Führungslosigkeit im Innenministerium 1989/90 zeugen, dafür steht auch die Aussage des letzten Leiters der Sechsten Verwaltung DS Anton Musakov, nachdem das neue Partei- und Staatsoberhaupt Petar Mladenov noch im November 1989 eine Order an Innenminister Georgi Tanev ausgegeben hatte, die jegliche Aktenvernichtung verbot.

[...]



Diesen Beitrag können Sie in der gedruckten Ausgabe der HJS ungekürzt lesen.

Textbeispiel 6

Björn Opfer-Klinger: Zwischen EU, Oligarchen und desillusionierten Bürgern. Bulgarien in der politischen Dauerkrise 2013-2015




Es waren eisige Temperaturen zu Beginn des Jahres 2013 in Bulgarien. Auch wenn im Gegensatz zu den 1990er-Jahren die Strom- und Wärmeversorgung weitgehend funktionierte, so bedeuteten die Winter für die meisten Bulgaren doch immer noch eine schwierige Zeit. Größere Stockungen im Energiebereich waren zuletzt aufgetreten, als die Gasimporte aus Russland über das ukrainische Pipelinenetz infolge des Gasstreits zwischen der ukrainischen Regierung und dem russischen Gazpromkonzern im Januar 2009 eingestellt worden waren. Nein, die Energieversorgung funktionierte im Winter 2012/13 und doch löste sie die größten Demon-strationen in Bulgarien seit den Umweltprotesten 2007 aus. Nach ersten kleineren Aktionen gingen am 10. Februar 2013 Menschen in 15 Städte auf die Straße. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei und mancherorts wurden Einrichtungen der großen ausländischen Stromkonzerne mit Steinen beworfen. Es war der Auftakt für eine Krise, die im Laufe der nachfolgenden zwei Jahre immer größere Dimensionen annehmen und Bulgarien bis heute prägen sollte. Was also war passiert im Winter 2012/13? Schwere Wirtschafts- und Versorgungskrisen hatte die bulgarische Bevölkerung seit den 1980er-Jahren immer wieder erlebt und ein bedeutender Teil hat die daraus entstandenen Verhaltensweisen nachhaltig geprägt.
[...]

Den ganzen Beitrag finden Sie in der gedruckten HJS.

Textbeispiel 7

Johann Böhm: Die Gleichschaltung der deutschen Presse in Rumänien durch Volksgruppenführer Andreas Schmidt ab September 1940-1944


[...] Andreas Schmidt beauftragte und ermächtigte Walter May, die Angehörigen seiner Tätigkeitsbereiche in Körperschaften zusammenzufassen. May zögerte nicht lange und gründete die Kulturkammer der Deutschen Volksgruppe in Rumänien, die die alleinige zuständige Organisation für alle Fragen der Kulturpolitik auf dem Gebiete der Musik, der bildenden Künste, des Theaters und des Schrifttums wurde. Aufgabe der Kultur-kammer war:
„1. Die Zusammenfassung aller Kunstschaffenden und aller am Kunstschaffen beruflich
Beteiligten,
2. die verantwortliche Führung der Kulturpolitik auf dem Gebiete des Kunstschaffens.

Die erste Aufgabe, die organisatorische Zusammenfassung der Kunstschaffenden,
bezweckt:

1. die berufliche Interessenvertretung und den Berufsschutz der Künstler,
2. die sozialpolitische Betreuung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Arbeiterschaft in Rumänien, der die Kulturkammer als Berufskörperschaft, also korporativ, angehören wird,
3. die Ausbildung, Fortbildung und Förderung der Kunstschaffenden und der am Kunstschaffen Beteiligten. [...]

Weiter in der Printausgabe der HJS.

Textbeispiel 8

Waldemar Schmidt: Die deutsche Minderheit in Kasachstan im 19. - 20. Jahrhundert



[...] Die Geschichte der Deutschen in Russland greift weit zurück. Schon im 13. Jahrhundert besaßen deutsche Handwerker und Kaufleute Zünfte und Innungen in den Städten Wladimir und Luzk (bei Moskau). Unter dem Zaren Iwan dem Schrecklichen (1533-1584) wurden vermehrt deutsche Handwerker, Kaufleute, Gelehrte und Offiziere ins Land geholt. Dieser Trend verstärkte sich unter Peter dem Großen (1689-1725) und Katharina II. (1762-1796). Jedoch handelte es sich dabei um verhältnismäßig wenige Deutsche, im Unterschied zu der planmäßigen Besiedlung südlicher Gebiete Russlands mit deutschen Bauern, die im 18. Jahrhundert begann. Den Siedlungswilligen wurden dabei die freie Religionsübung ebenso zugesichert, wie der Erlass von Abgaben an die Staatskasse und die Befreiung von Militär- und Zivildienst. Mit der russischen Eroberung der kasachischen Steppe und Mittelasiens im 18. und 19. Jahrhundert tauchten auch hier Deutsche auf. Vorerst waren es Militärs, Beamte und Fachleute, die sich fast ausnahmslos in den Städten niederließen. Weit größer war der Strom von Deutschen, die im Zuge der russischen Besiedlungspolitik zusammen mit hunderttausenden russischen und ukrainischen Bauern bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Kasachstan, Mittelasien und Sibirien kamen. [...]

Vollständiger Beitrag in der Halbjahresschrift


Textbeispiel 9

Heinrich Bienmüller: Arm und reich ...


[...] In Deutschland klafft die Schere zwischen arm und reich zunehmend auseinander. Die Armen werden mehr und ärmer, die Reichen nehmen zu und werden reicher. Die obersten 10% der Haushalte in Deutschland besitzen 60% des Gesamtvermögens, die untersten 10 % haben Schulden . Reich wird man in Deutschland durch gewinnbringenden festen Besitz und Kapital. Kapital wird nicht oder nur wenig besteuert; es ist die Basis für kontinuierlich wachsenden Reichtum ohne körperlichen oder wesentlichen geistigen Einsatz. [...]

Essay in der gedruckten Fassung der HJS


Textbeispiel 10

Werner Kremm: Periamportbewusstsein


august 1974

das ist ein singsang,
geschrieben von einem, der auszog
das fürchten zu lernen
und zeitweise bokschan mit periamport velwechsert,
zu seiner persönlichen verteidigung aber behauptet,
nicht zu wissen,
was er tut,
auf die frage, weshalb er schreibe,
gegenwärtig folgender-
massen antwortet: die einzig seriöse einstellung eines schreib-
enden ist, zu schreiben.
wie könnte sonst dieser beruf erhalten bleiben,
rehabilitieren sollen ihn jene,
die ihn kompromittieren.

wer das liest
ist selbst dran schuld.

[...]

In der  Halbjahresschrift  können Sie den ganzen Text lesen, der 1974 entstanden ist und als verschollen galt. Darin wird ein Abstecher der Aktionsgruppe nach Periamport beschrieben. Damals, 1974, ist auch das Gruppenbild (Die Aktionsgruppe hält sich über Wasser) entstanden. Auch davon ist in dem Text von Werner Kremm die Rede. Aber in dem Text ist auch die Rede von Zeitgenossen der besonderen Art, von den damaligen Zuständen, von Fotografen, die sich - wie man später erfahren hatte  - mit Securitateoffizieren trafen, von merkwürdigen Redakteuren einer Bukarester Literaturzeitschrift, die heute in der Bundesrepublik leben und so weiter ...


Textbeispiel 11

Johann Lippet: Verortung (Gedichte)



Wiederholt versuchte Heimkehr


Ich fürchte mich nicht, weiß, daß ich träume,
mich wieder auf den Weg nach Hause gemacht,
erneut gestrandet in engen, labyrinthischen Straßen,
bei diesen Mengen von Menschen kein Durchkommen,
da bleibt nur, die Arme wie Flügel bewegen, durch die Lüfte
entschweben bis zum Stadtrand [...]

Demnächst auch im neuen Band von Johann Lippet - Kopfzeile, Fußzeile -, der im Pop Verlag, Ludwigsburg, erscheinen wird.